Soziale Eingebundenheit ist eines der psychologischen Grundbedürfnisse und zentrale Voraussetzung für selbstbestimmtes Lernen. In der Präsenzlehre entsteht sie wesentlich durch die persönliche Interaktion zwischen Lehrenden und Studierenden. Im Idealfall ist diese Beziehung von Vertrauen geprägt, was sich positiv auf den Lernprozess auswirkt. In digitalen Lehr-Lernsettings geht diese Dimension jedoch oft verloren, weshalb die Mediendidaktik den Einsatz von sogenannten Pädagogischen Agenten empfiehlt. Darunter versteht man virtuelle Figuren, die zentrale Funktionen wie Wissensvermittlung, Coaching und tutorielle Begleitung in virtuellen Lernräumen übernehmen.
Mit Digital Cloning eröffnet sich eine neue, KI-basierte Möglichkeit, soziale Nähe auch im virtuellen Raum herzustellen: Auf Basis von Audio- und Videomaterial lässt sich ein digitales Abbild realer Lehrender erstellen, sodass Studierende in der Online-Lernumgebung nicht einer generischen Figur begegnen, sondern den vertrauten Lehrenden. Dadurch kann auch im digitalen Raum eine emotionale Beziehung aufrechterhalten werden, die Motivation, Vertrauen und Lernbereitschaft fördert.
Digitale Klone können etwa wiederkehrende Inhalte in Form von Lernvideos präsentieren oder als interaktive Tutor:innen fungieren. Der Avatar der bekannten Person übernimmt weiterhin eine sichtbare Rolle im Lernprozess, während die Lehrperson zeitlich entlastet wird und sich stärker auf beratende Lehrformate oder Forschungsarbeiten konzentrieren kann.
Bei genauerer Betrachtung zeigen sich jedoch auch deutliche Limitationen. Didaktisch stellt sich die Frage, welche Lehrfunktionen sinnvoll ausgelagert werden können, ohne Lernprozesse auf reine Wissensvermittlung zu reduzieren. Lernen bleibt ein sozialer und reflexiver Prozess, der Verantwortung, Beziehung und situative Rückmeldung erfordert und nicht vollständig automatisierbar ist.
Darüber hinaus ergeben sich rechtliche und ethische Fragestellungen: Digitale Klone beruhen auf personenbezogenen Daten und berühren Persönlichkeitsrechte, Datenschutz und Urheberrecht. Fragen nach Missbrauch, Deepfakes oder der Weiterverwendung eines Klons nach einem Institutionswechsel sind ebenso zu klären wie ethische Spannungsfelder rund um akademische Integrität, Rollenverständnis von Lehrenden und die Grenzen hochgradig anthropomorpher Mensch-Maschinen-Interaktion.
Der Talk greift diese Fragen auf, indem er die didaktischen Potenziale von Digital Cloning beleuchtet, den rechtlichen Rahmen skizziert und ethische Perspektiven diskutiert. Jeder dieser Aspekte wird in einem kurzen Impulsvortrag eingeführt mit anschließender Möglichkeit zur Diskussion und Austausch.
Nachfolgend finden Sie die Unterlagen dazu.
